Was ist Trauma?
Du erlebst dich als ohnmächtig einer Situation ausgeliefert, die Entsetzen und Angst auslöst. Deine natürlichen menschlichen Schutzstrategien erweisen sich als sinnlos. Besonders schwer trifft dich die Traumatisierung, wenn sie im engeren sozialen Umfeld stattfindet, früh in deinem Leben beginnt und lang andauert. Dein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen in die Menschen wird dadurch immer wieder erschüttert.
Wann ensteht ein Trauma?
Ein Trauma könnte entstehen, wenn du eine Bedrohung erlebst, die so groß ist, dass du sie nicht ertragen oder gar bewältigen kannst. Es könnte ausgelöst werden durch Missbrauch (körperlichen, emotionalen, sexuellen) oder Vernachlässigung (körperliche oder emotionale) oder andere Formen der Gewalt. Auch die Beobachtung von Gewalt könnte dich traumatisieren. Ursache könnte auch eine Ausgrenzung wegen deines Geschlechts, deiner Herkunft, deiner sexueller Orientierung etc. sein. Ein Trauma kann jederzeit im Leben entstehen.
Was ist Sucht?
Du vernachlässigst dich chronisch zugunsten einer anderen Person, einer Situation oder eines Stoffes. Sucht ist der Zwang, dies trotz schmerzlicher Konsequenzen immer und immer wieder zu tun, ungeachtet, welchen Einfluss es auf deine Lebensqualität hat. Es ist wie ein Alptraum: Du siehst dir zu, wie du dir selbst schadest, dich selbst zerstörst, und kannst nicht damit aufhören. Eine Sucht schränkt dein Leben ein: Deine Gefühle, deinen Geist, deinen Körper und dein soziales Leben. Sie mindert jedoch nicht Deinen Wert als Mensch!
Wonach könntest du süchtig werden?
Nach fast Allem! Süchtig werden kannst du nach Substanzen wie Alkohol, Drogen, Nikotin, Essen, aber auch nach Aktivitäten wie Arbeit, Sport, Internet, Spiel, Sex, Kaufen, Fernsehen und auch nach Personen oder Dogmen. Nicht einzelne Stoffe oder Verhaltensweisen sind problematisch, sondern der Zwang sie zu benutzen. Du kannst die Art deiner Sucht auch wechseln.
Wann könntest du süchtig werden?
Wenn du glaubst, dein Leben nicht mehr bewältigen zu können: z. B. wenn du Konflikte in deinen Beziehungen hast, wenn die Armut dich erdrückt, dein Arbeitsleben sehr stressreich ist, deine Geschichte mit Gewalt und Trauma verwoben ist. Dies sind Nährböden für Sucht. Vielleicht ist es auch „nur“ eine Anfälligkeit in deiner Familie oder deinem sozialen Umfeld.
Warum beides zusammen behandeln?
Die langjährige Erfahrung von newbeginnings und die Forschung auf diesem Gebiet haben gezeigt, wie wichtig es ist, den Sucht-Trauma-Zusammenhang zu sehen, um Menschen in ihrer Genesung unterstützen zu können. Sucht und Trauma benötigen einen einfühlsamen, ganzheitlichen Ansatz.
• Ein Trauma-Erlebnis erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Sucht dramatisch.
• Mehr als die Hälfte der Frauen in der Suchtbehandlung ist ein Trauma widerfahren.
• Unbehandelte Traumata können Rückfälle oder neue Süchte verursachen.
• Süchtige sind anfälliger für zukünftige Traumata.
• Trauma-Erfahrene haben eine höhere Anfälligkeit für Depressionen, Selbstverletzungen und Selbstmordgedanken.
Gender Sensitive Behandlung
Traumatisierte Frauen mit Suchtproblematiken bedürfen einer gender-sensiblen, umfassenden und ganzheitlichen Behandlung – dies belegen amerikanische Untersuchungen für die Bereiche Suchtberatung und Traumatherapie bereits seit den 70er Jahren (Palacios & Urmann, 1999; für den deutschen Sprachraum vgl. Haas, 2003; Singerhoff, 2002). Fachkräfte in der Suchtberatung und Traumatherapie bemühen sich zwar um eine qualitativ hochwertige Behandlung für ihre Klienten/-innen, allerdings machen verschiedene Untersuchungen deutlich, dass es bislang an Austausch zwischen beiden Disziplinen mangelt (Altman, 2000). Da jedoch viele Behandlungsmodelle auf Theorien und klinischen Untersuchungen beider Disziplinen aufbauen und die Rückfall- und Abbruchquote gerade bei traumatisierten drogenabhängigen Frauen sehr hoch ist, wäre eine enge Kooperation zwischen den beiden Arbeitsbereichen sehr wünschenswert (Trotter, 2000). … Eine Behandlungsmethode zu benutzen, die die multiplen Rollen von Frauen berücksichtigt, ihre komplexen Identitäten und die kulturellen und gesellschaftlichen Umstände, in denen sie leben.
Von Covington: Untersuchungen belegen, dass bei der Entwicklung von Suchtbehandlungen für Frauen und Mädchen eine ganzheitliche und frauenzentrierte Herangehensweise notwendig ist. Gendersensible / frauenzentrierte Angebote zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch die Wahl von Ort und Mitarbeitern sowie durch spezifische Programmentwicklung, -inhalte und -materialien ein Umfeld schaffen, das ein grundlegendes Verständnis für die Lebenswelt von Frauen und Mädchen widerspiegelt und ihre spezifischen Bedürfnisse berücksichtigt wie auch Stärken fördert.